Hund5 Min. Lesezeit· 19. Mai 2026

Hund hat Schmerzmittel gefressen (Ibuprofen, Paracetamol, Aspirin)

Fachlich geprüft vonDr. med. vet. Ulrike Kierstein· Letzte Prüfung:

Menschliche Schmerzmittel aus der Hausapotheke sind eine der häufigsten Vergiftungsursachen bei Hunden – und oft die gefährlichsten. Ibuprofen, Paracetamol, Aspirin und Diclofenac wirken bei Hunden anders als bei Menschen: die Leber kann sie nicht effektiv abbauen, die Dosen sind schnell toxisch. Eine einzelne Tablette kann lebensgefährlich sein.

Welches Medikament wie gefährlich?

Ibuprofen (Aktren, Dolormin)

Schon ab 50 mg/kg Körpergewicht Magengeschwüre, ab 175 mg/kg akutes Nierenversagen, ab 400 mg/kg tödlich. Eine Tablette à 400 mg ist für einen 10-kg-Hund bereits am Schwellenwert für Magenschäden.

Paracetamol (Ben-u-ron, Paracetamol AL)

Bei Hunden ab 100 mg/kg Leberzellschäden, ab 200 mg/kg Lebensgefahr. Bei Katzen schon ab 10 mg/kg lebensgefährlich – sie können das Medikament fast nicht abbauen. Eine einzige Paracetamol-Tablette 500 mg ist für eine Katze meist tödlich.

Aspirin / Acetylsalicylsäure (ASS)

Toxische Wirkung ab etwa 50 mg/kg. Symptome: Magenblutung, Anämie, Atemstörung. ASS wird gelegentlich tierärztlich in sehr geringen Dosen eingesetzt – ohne Verordnung ist es jedoch gefährlich.

Diclofenac (Voltaren)

Stark nierenschädigend. Schon kleinste Mengen können bei kleinen Hunden lebensbedrohlich wirken.

Symptome

  • Erbrechen (oft mit Blut), blutiger Durchfall, schwarzer Teerstuhl
  • Bauchschmerzen, gewölbter Rücken
  • Appetitlosigkeit, Apathie
  • Vermehrtes oder reduziertes Trinken/Urinieren
  • Blasse oder gelbliche Schleimhäute (Anämie/Ikterus)
  • Bei Paracetamol speziell: graue/braune Maulschleimhaut, Atemnot, Gesichtsschwellung (Katzen!)
  • Krämpfe, Bewusstlosigkeit in schweren Fällen

Schritt für Schritt: Was tun?

  1. Tierarzt sofort anrufen: Wirkstoff, Dosierung, Anzahl Tabletten und Zeitpunkt nennen.
  2. Verpackung mitnehmen – idealerweise auch den Beipackzettel mit Wirkstoffkonzentration.
  3. Bei früher Aufnahme (<2 h) wird der Tierarzt Erbrechen auslösen und Aktivkohle geben.
  4. Kein Wasser, keine Hausmittel – fahren Sie direkt in die Praxis.

Was die Klinik tut

Stationäre Aufnahme mit intravenöser Flüssigkeit zum Schutz der Nieren, Magensäureblocker (Omeprazol) und Magenschleimhautschutz (Sucralfat). Bei Paracetamol zusätzlich N-Acetylcystein als Antidot. Bei schwerer Anämie ggf. Bluttransfusion. Bluttests kontrollieren Leber-, Nieren- und Gerinnungswerte über mehrere Tage.

Häufige Fragen

Ja, immer anrufen. Ob die Dosis kritisch ist, hängt vom Gewicht des Hundes und der Tablettenstärke ab. Eine halbe 400-mg-Tablette ist für einen kleinen Hund bereits ein ernsthaftes Risiko.

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