Pferde-Kolik erkennen: Symptome, Soforthilfe und wann der Tierarzt muss
Kolik ist der häufigste Notfall in der Pferdemedizin und gleichzeitig die häufigste Todesursache erwachsener Pferde. Der Begriff steht nicht für eine Krankheit, sondern für Bauchschmerzen unterschiedlicher Ursache – von harmloser Verdauungsstörung bis hin zur lebensbedrohlichen Darmverlagerung. Je früher eine Kolik erkannt und behandelt wird, desto besser stehen die Chancen.
Häufige Kolik-Symptome
Frühe Anzeichen
- Wegdrehen oder Wegtreten vom Futter
- Unruhe in der Box, Scharren
- Häufiges Umschauen zum Bauch
- Aufstöhnen, Anschwitzen
- Wenig oder kein Kotabsatz, harter oder ungewöhnlich weicher Kot
- Flehmen ohne erkennbaren Grund
Schwere Symptome
- Wiederholtes Hinlegen und Aufstehen
- Wälzen, auch heftig
- Schlagen mit den Hinterbeinen gegen den Bauch
- Starkes Schwitzen, fahle Schleimhäute, Pulsfrequenz über 60/min
- Apathie nach Phase der Unruhe
Vitalwerte messen
| Vitalwert | Normal | Kolik-verdächtig |
|---|---|---|
| Temperatur | 37,5 – 38,2 °C | <37 °C oder >38,5 °C |
| Puls | 28 – 40 /min | >60 /min |
| Atmung | 8 – 16 /min | >30 /min |
| Schleimhaut | rosa, feucht | blass, gerötet, bläulich, trocken |
| Darmgeräusche | in allen 4 Quadranten | stark vermindert oder fehlend |
| Kapillarfüllungszeit | <2 Sek. | >3 Sek. |
Was Sie sofort tun sollten
- Tierarzt anrufen – Notdienst-Hotline oder Stamm-Tierarzt. Beschreiben Sie Symptome, Puls und Verhalten.
- Futter wegnehmen: kein Heu, kein Kraftfutter. Wasser nur in kleinen Mengen.
- Box einstreuen und sauber halten. Hindernisse entfernen.
- Pferd beobachten, aber nicht festhalten. Wälzen lassen, wenn keine Verletzungsgefahr besteht – die alte Regel „darf nicht wälzen" ist überholt.
- Vorsichtig führen, wenn das Pferd aggressiv wälzt und sich zu verletzen droht. Aber kein stundenlanges Zwangs-Führen.
- Vorbereitungen treffen: Halfter, Strick, Hänger bereitstellen für eventuellen Klinik-Transport. Decke bei Schweißausbruch.
Was tut der Tierarzt?
Der Tierarzt beurteilt Allgemeinzustand und Vitalwerte, hört das Abdomen ab, prüft die Schleimhäute, führt eine rektale Untersuchung und legt eine Nasenschlundsonde. Anhand von Magenreflux, Darmgeräuschen und Befund entscheidet er, ob die Kolik ambulant behandelt werden kann oder ob das Pferd in eine Klinik überwiesen werden muss.
Etwa 80–90 % aller Koliken sind krampfartig oder Aufgasungs-bedingt und ambulant zu lösen. 10–20 % sind chirurgische Koliken, die ohne OP tödlich enden – hier zählt jede Stunde.
Kolik vorbeugen
- Regelmäßige Fütterungszeiten, ausreichend Raufutter (Heu ad libitum oder min. 1,5 kg pro 100 kg Pferd)
- Wasser jederzeit verfügbar, im Winter nicht eisig
- Futterumstellung schrittweise über mindestens 7 Tage
- Tägliche Bewegung – Box-Pferde haben höheres Kolikrisiko
- Regelmäßige Entwurmung nach Kotuntersuchung
- Zahnkontrolle 1× jährlich
- Sandkoliken vermeiden: Heu nicht auf sandigem Boden füttern
Häufige Fragen
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