Hund5 Min. Lesezeit· 20. Mai 2026

Zeckenbiss beim Hund: Borreliose, Anaplasmose und FSME erkennen

Fachlich geprüft vonTA Heinz Berke· Letzte Prüfung:

Eine einzelne Zecke ist meist harmlos – aber sie kann schwere Krankheiten übertragen: Borreliose, Anaplasmose, Babesiose und seltener FSME. Die Erreger werden frühestens nach 12 bis 24 Stunden Saugen übertragen, schnelle Entfernung beugt also wirksam vor. Symptome treten oft erst Wochen später auf – darum ist die Erinnerung an einen Zeckenfund wichtig.

Zecke richtig entfernen

  1. Werkzeug: Zeckenkarte, Zeckenzange oder feine Pinzette. Keine Finger.
  2. Hautnah greifen: möglichst nah an der Haut, am Kopf der Zecke.
  3. Gerade herausziehen: ohne Drehung, gleichmäßig. Nicht quetschen!
  4. Kein Öl, kein Klebstoff, kein Feuerzeug: das löst Erbrechen der Zecke aus und erhöht das Übertragungsrisiko.
  5. Stelle desinfizieren (z. B. Octenisept).
  6. Datum und Stelle notieren: 4 Wochen lang beobachten, ob sich rund um den Biss eine Rötung oder Schwellung bildet.

Borreliose beim Hund

Erreger: Borrelia burgdorferi. Übertragung durch Schildzecken (Ixodes ricinus). Bei Hunden zeigen nur etwa 5–10 % der infizierten Tiere Symptome, meist 2 bis 5 Monate nach dem Biss:

  • Wechselnde Lahmheit, oft an unterschiedlichen Gliedmaßen (Polyarthritis)
  • Fieber, Appetitlosigkeit
  • Geschwollene Gelenke
  • Apathie
  • Selten: Borreliose-Nephritis (Nierenentzündung)

Behandlung: Antibiotika über 4 Wochen (meist Doxycyclin). Prognose bei früher Diagnose gut. Eine Impfung gegen Borreliose ist verfügbar, aber umstritten – mit dem Tierarzt besprechen.

Anaplasmose

Erreger: Anaplasma phagocytophilum. Übertragung wie Borreliose durch Ixodes. Symptome treten meist 1–2 Wochen nach dem Biss auf:

  • Hohes Fieber (bis 41 °C)
  • Apathie, Appetitlosigkeit
  • Lahmheit
  • Punktblutungen auf Schleimhäuten (Thrombozytopenie)
  • Selten: neurologische Symptome

Behandlung: Doxycyclin über 14–28 Tage. Akuter Verlauf gut behandelbar, frühe Diagnose wichtig.

Babesiose („Hundemalaria")

Erreger: Babesia canis / vogeli. Übertragung durch Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus). Symptome treten nach 1–3 Wochen auf:

  • Apathie, Fieber
  • Hämolytische Anämie: blasse oder gelbliche Schleimhäute
  • Dunkel-roter Urin (Hämoglobinurie)
  • Erbrechen, Lebervergrößerung

Babesiose ist potenziell lebensbedrohlich. Behandlung mit speziellen Antiparasitika (Imidocarb). Bei Verdacht: sofort in die Klinik.

FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis)

Selten beim Hund klinisch relevant, Hunde gelten als wenig empfänglich. Symptome wären neurologisch (Krampfanfälle, Wesensveränderung, Bewegungsstörungen). Bei jedem Hund mit unklarer neurologischer Symptomatik und Zeckenexposition daran denken.

Prävention

  • Spot-On-Präparate oder Tabletten mit zeckenabwehrender Wirkung (mit Tierarzt besprechen)
  • Zeckenhalsbänder
  • Nach jedem Spaziergang den Hund absuchen (Hals, Ohren, Bauch, Achseln, Zwischenzehenfalten)
  • Zecken so schnell wie möglich entfernen — innerhalb 12 h reduziert das Übertragungsrisiko deutlich

Häufige Fragen

Nicht zwingend. Wichtig ist, die Zecke korrekt zu entfernen und die Stelle 4 Wochen zu beobachten. Symptome wie Lahmheit, Fieber oder Apathie in den Wochen nach dem Biss sind ein klarer Tierarzt-Anlass.

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