Zeckenbiss beim Hund: Borreliose, Anaplasmose und FSME erkennen
Eine einzelne Zecke ist meist harmlos – aber sie kann schwere Krankheiten übertragen: Borreliose, Anaplasmose, Babesiose und seltener FSME. Die Erreger werden frühestens nach 12 bis 24 Stunden Saugen übertragen, schnelle Entfernung beugt also wirksam vor. Symptome treten oft erst Wochen später auf – darum ist die Erinnerung an einen Zeckenfund wichtig.
Zecke richtig entfernen
- Werkzeug: Zeckenkarte, Zeckenzange oder feine Pinzette. Keine Finger.
- Hautnah greifen: möglichst nah an der Haut, am Kopf der Zecke.
- Gerade herausziehen: ohne Drehung, gleichmäßig. Nicht quetschen!
- Kein Öl, kein Klebstoff, kein Feuerzeug: das löst Erbrechen der Zecke aus und erhöht das Übertragungsrisiko.
- Stelle desinfizieren (z. B. Octenisept).
- Datum und Stelle notieren: 4 Wochen lang beobachten, ob sich rund um den Biss eine Rötung oder Schwellung bildet.
Borreliose beim Hund
Erreger: Borrelia burgdorferi. Übertragung durch Schildzecken (Ixodes ricinus). Bei Hunden zeigen nur etwa 5–10 % der infizierten Tiere Symptome, meist 2 bis 5 Monate nach dem Biss:
- Wechselnde Lahmheit, oft an unterschiedlichen Gliedmaßen (Polyarthritis)
- Fieber, Appetitlosigkeit
- Geschwollene Gelenke
- Apathie
- Selten: Borreliose-Nephritis (Nierenentzündung)
Behandlung: Antibiotika über 4 Wochen (meist Doxycyclin). Prognose bei früher Diagnose gut. Eine Impfung gegen Borreliose ist verfügbar, aber umstritten – mit dem Tierarzt besprechen.
Anaplasmose
Erreger: Anaplasma phagocytophilum. Übertragung wie Borreliose durch Ixodes. Symptome treten meist 1–2 Wochen nach dem Biss auf:
- Hohes Fieber (bis 41 °C)
- Apathie, Appetitlosigkeit
- Lahmheit
- Punktblutungen auf Schleimhäuten (Thrombozytopenie)
- Selten: neurologische Symptome
Behandlung: Doxycyclin über 14–28 Tage. Akuter Verlauf gut behandelbar, frühe Diagnose wichtig.
Babesiose („Hundemalaria")
Erreger: Babesia canis / vogeli. Übertragung durch Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus). Symptome treten nach 1–3 Wochen auf:
- Apathie, Fieber
- Hämolytische Anämie: blasse oder gelbliche Schleimhäute
- Dunkel-roter Urin (Hämoglobinurie)
- Erbrechen, Lebervergrößerung
Babesiose ist potenziell lebensbedrohlich. Behandlung mit speziellen Antiparasitika (Imidocarb). Bei Verdacht: sofort in die Klinik.
FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis)
Selten beim Hund klinisch relevant, Hunde gelten als wenig empfänglich. Symptome wären neurologisch (Krampfanfälle, Wesensveränderung, Bewegungsstörungen). Bei jedem Hund mit unklarer neurologischer Symptomatik und Zeckenexposition daran denken.
Prävention
- Spot-On-Präparate oder Tabletten mit zeckenabwehrender Wirkung (mit Tierarzt besprechen)
- Zeckenhalsbänder
- Nach jedem Spaziergang den Hund absuchen (Hals, Ohren, Bauch, Achseln, Zwischenzehenfalten)
- Zecken so schnell wie möglich entfernen — innerhalb 12 h reduziert das Übertragungsrisiko deutlich
Häufige Fragen
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