Hund5 Min. Lesezeit· 20. Mai 2026

Pollenallergie beim Hund (Atopische Dermatitis): Symptome, Diagnose, Behandlung

Fachlich geprüft vonTÄin Viktoria Müller· Letzte Prüfung:

Die Atopische Dermatitis – allgemein als Pollenallergie bezeichnet – ist eine der häufigsten chronischen Hauterkrankungen beim Hund. Etwa 10–15 % aller Hunde sind betroffen, in einigen Rassen (West Highland White Terrier, Labrador, Französische Bulldogge, Boxer) noch häufiger. Die gute Nachricht: Die Therapieoptionen haben sich in den letzten Jahren stark verbessert.

Symptome erkennen

  • Anhaltender Juckreiz über Wochen oder Monate
  • Häufiges Pfotenlecken (oft erstes Symptom)
  • Ohrenentzündungen (oft rezidivierend)
  • Gerötete oder verkrustete Haut an Bauch, Achseln, Pfoten, Gesicht
  • Haarausfall an Belastungsstellen
  • Saisonale Verschlechterung (April–September): klassisch für Pollenallergie
  • Ganzjährige Symptome: Hinweis auf Hausstaub-/Milbenallergie
  • Sekundäre Infektionen mit Bakterien oder Hefen

Ursachen und Auslöser

Die Atopie ist eine genetisch veranlagte Überreaktion des Immunsystems auf normalerweise harmlose Umweltstoffe. Häufige Auslöser:

  • Pollen: Gräser, Bäume, Kräuter (saisonal)
  • Hausstaubmilben (ganzjährig)
  • Schimmelpilze
  • Flohspeichel (oft Trigger oder Verstärker)
  • Futtermittel-Allergene (bei einem Teil der Hunde mit beteiligt)

Diagnose-Weg

  1. Ausschluss von Parasiten: Flöhe, Milben, Demodex – per Tape-Strip oder Hautgeschabsel.
  2. Ausschluss von Infektionen: Pyodermie, Malassezien.
  3. Ausschluss einer Futtermittelallergie: 8-wöchige Eliminationsdiät mit hydrolysiertem oder neuem Protein.
  4. Allergietest (Bluttest oder Intrakutantest beim Spezialisten) zur Identifikation der konkreten Allergene.
  5. Diagnose Atopische Dermatitis: nach den genannten Ausschlüssen klinisch.

Behandlungsoptionen

Symptomatisch

  • Apoquel (Oclacitinib): gezielter Juckreiz-Stopper, wirkt innerhalb von Stunden
  • Cytopoint (Lokivetmab): monoklonaler Antikörper, alle 4–8 Wochen als Injektion
  • Cortison: schnell wirksam, aber Langzeit-Nebenwirkungen
  • Antihistaminika: schwächere Wirkung, aber wenig Nebenwirkungen

Kausal

  • Allergen-Spezifische Immuntherapie (ASIT): über Jahre gezielte Sensibilisierung. Erfolgsquote etwa 60–70 %.
  • Cyclosporin (Atopica): immunmodulatorisch, langfristige Anwendung
  • Lokale Pflege: medizinische Shampoos, Spray, Pfotenbäder
  • Ungesättigte Fettsäuren (Omega-3) als Nahrungsergänzung

Was Sie zu Hause tun können

  • Nach Spaziergängen Pfoten abwaschen (lauwarmes Wasser, kein Shampoo täglich)
  • Pollenflug-Apps nutzen, Spaziergangs-Zeiten anpassen
  • Schlafplatz häufig reinigen, bei Hausstaubmilbenallergie milbendichte Bezüge
  • Konsequente Flohprophylaxe — Flöhe verschärfen jeden Juckreiz
  • Futter mit Omega-3 (Lachsöl, Fischöl als Ergänzung)

Wann ist Tierarzt-Besuch dringend?

  • Juckreiz schlimmer als „der Hund kratzt sich manchmal"
  • Sichtbare Wunden, Krusten, Entzündungen
  • Akute Ohrenentzündung: kopfschütteln, Eiter, Schmerzen
  • Heftige Hautrötung mit Beulen oder Quaddeln

Häufige Fragen

Selten. Die Atopie ist genetisch veranlagt und meist lebenslang. Mit der richtigen Therapie ist sie aber gut beherrschbar – die Lebensqualität der Hunde kann mit Apoquel, Cytopoint oder ASIT deutlich verbessert werden.

Weitere Ratgeber