Hund hat Schneckenkorn gefressen – Metaldehyd-Vergiftung erkennen
Schneckenkorn ist eine der häufigsten und gefährlichsten Vergiftungen bei Hunden, die Zugang zu Gärten oder Schrebergärten haben. Klassisches Schneckenkorn enthält Metaldehyd – einen Wirkstoff, der das zentrale Nervensystem reizt und innerhalb weniger Minuten Krämpfe auslöst. Selbst kleine Mengen können tödlich sein. Bei jedem Verdacht zählt jede Minute.
Wie sieht Schneckenkorn aus?
Meist blaue oder grüne Granulatkügelchen, gelegentlich auch braun. Hunde finden sie attraktiv, weil sie oft mit Köderstoffen (Apfel, Karamell, Kleie) gemischt sind, um Schnecken anzulocken – und damit auch Hunde verleiten. Auch eisen-III-phosphat-haltige Mittel, die als „bio" oder „haustiersicher" beworben werden, sind nicht ungefährlich – bei großen Mengen können sie eine Eisenvergiftung auslösen.
Symptome einer Metaldehyd-Vergiftung
Erste Anzeichen oft innerhalb von 30 Minuten:
- Speicheln, Sabbern, Erbrechen
- Unruhe, Ängstlichkeit
- Muskelzucken im Gesicht und an den Beinen
- Steifer Gang, Koordinationsstörung
- Generalisierte Krämpfe (mehrere Minuten oder wiederholt)
- Hyperthermie (Körpertemperatur über 41 °C)
- Atemstörung, Bewusstlosigkeit
- Im schweren Fall: Lebensgefahr durch Atemstillstand oder Multiorganversagen
Schritt für Schritt: Was tun?
- Sofort Tierarzt/Klinik anrufen – Wirkstoff (Metaldehyd, Eisen-III-Phosphat, Methiocarb), ungefähre Menge, Zeitpunkt nennen.
- Verpackung mitnehmen – die genaue Wirkstoffangabe entscheidet die Behandlung.
- Kein Erbrechen ohne Anweisung auslösen: bei beginnenden Krämpfen ist es gefährlich (Aspirationsgefahr).
- Während der Fahrt: Hund in stabile Seitenlage bringen, von harten Kanten fernhalten (Sturzschutz bei Krampfanfall).
Was die Klinik tut
Stabilisierung der Krämpfe mit Diazepam oder Propofol. Magenspülung in Narkose, sofern die Aufnahme noch nicht zu lange zurückliegt. Aktivkohle mehrfach. Intravenöse Flüssigkeit und Kühlung bei Hyperthermie. Stationärer Aufenthalt typischerweise 24–72 Stunden mit engmaschiger neurologischer Überwachung. Ein spezifisches Antidot existiert nicht – Behandlung ist symptomatisch.
Vorbeugen
- Schneckenkorn nur in Bereichen ausbringen, zu denen Tiere keinen Zugang haben
- Alternativen: Schneckenzäune, Bierfallen (auch nicht ohne Risiko), tolerantere Pflanzenwahl
- Auch im Nachbargarten nachfragen, ob Schneckenkorn liegt
- Bei „bio"-Eisen-III-Phosphat: trotzdem außerhalb der Reichweite des Hundes lagern
Quellen
- Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) — Metaldehyd – Toxikologische Bewertung von Schnecken-Molluskiziden
- ASPCA Animal Poison Control Center — Metaldehyd – Klinik der Metaldehyd-Vergiftung bei Kleintieren
- Bundesverband Praktizierender Tierärzte (bpt) – Behandlungsempfehlungen bei akuter ZNS-Intoxikation