Kaninchen Verstopfung (RGI / Trommelsucht): Warum jede Stunde zählt
Kaninchen sind extrem empfindlich bei allem, was den Magen-Darm-Trakt betrifft. Anders als bei Hund oder Katze ist eine Phase ohne Fress- und Kotabsatz binnen 12 Stunden lebensbedrohlich. Die häufigste Form heißt gastrointestinale Stase (RGI – Rabbit Gastrointestinal Ileus) – auch „Magen-Darm-Stillstand" oder umgangssprachlich „Trommelsucht" genannt.
Warum so schnell tödlich?
Der Kaninchendarm ist auf permanente Bewegung angewiesen. Stoppt die Peristaltik, gärt die Nahrung im Magen, es bildet sich Gas, der Magen dehnt sich – und der Druck kann den Magen reißen lassen. Gleichzeitig fehlt Glukose-Nachschub, der Blutzucker fällt und Leberverfettung droht. Das Ganze in 12–24 Stunden.
Symptome erkennen
- Fressverweigerung: nimmt selbst Lieblings-Leckerlies nicht an
- Kein Kotabsatz oder nur sehr kleine, harte Köttel
- Aufgegaster Bauch, der sich gespannt anfühlt
- Ruhig im Käfig, gekrümmte Haltung, eingezogene Bauchmuskulatur
- Zähneknirschen (Schmerzen!)
- Apathie, vermindertes Interesse an Umgebung
- In fortgeschrittenem Stadium: kalte Ohren, kalte Füße, schwacher Allgemeinzustand
Häufige Auslöser
- Zu wenig Heu in der Fütterung — Hauptursache
- Zahnfehlstellung: Schmerz beim Kauen führt zur Fressverweigerung
- Stress (neue Umgebung, anderer Tier-Partner, laute Geräusche)
- Schmerzhafte Erkrankungen (Harnsteine, Otitis)
- Fellaufnahme beim Putzen (besonders bei langhaarigen Rassen)
- Plötzlicher Futterwechsel
- Zu wenig Bewegung
Schritt für Schritt: Was tun?
- Notdienst anrufen: nicht warten, am gleichen Tag in die Praxis – auch nachts oder am Wochenende.
- Bauch nicht massieren ohne Anweisung — bei vollem Magen kann das schaden.
- Wasser anbieten: oft trinken sie noch.
- Frisches Heu und Grünes anbieten — nehmen sie es noch nicht, ist die Situation ernst.
- Warm halten: ggf. Wärmflasche im Käfig, mit Tuch umwickelt.
- Niemals Trockenfutter, Pellets oder zuckerhaltiges geben in dieser Phase.
Was die Klinik tut
Diagnostik mit Abtasten, Röntgen (Gasansammlung sichtbar) und Bluttest. Therapie:
- Schmerzmittel (Metamizol, Buprenorphin)
- Prokinetika: Medikamente, die die Darmperistaltik anregen (Metoclopramid, Cisaprid)
- Infusion: meist subkutan, in schweren Fällen intravenös
- Critical Care: Spezialfutter wird per Spritze in den Mund gegeben
- Bei extremer Magenausdehnung: ggf. Magensonde
- Stationärer Aufenthalt häufig nötig
Vorbeugen
- Heu ad libitum – immer verfügbar, ungestaubt
- Frische Wiesen-Kräuter und Gemüse täglich
- Wenig Pellets / kein Trockenfutter mit Getreide
- Tägliche Bewegung außerhalb des Käfigs
- Regelmäßige Zahnkontrolle (jährlich, bei Symptomen sofort)
- Stress minimieren, Veränderungen langsam einführen
- Frisches Wasser jederzeit
Häufige Fragen
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