Kastration bei Hund und Katze: Pro, Contra und der richtige Zeitpunkt
Die Kastration ist einer der häufigsten chirurgischen Eingriffe in der Kleintiermedizin – und einer der am häufigsten diskutierten. Die einfache Regel „immer kastrieren" gilt nicht mehr; aktuelle Studien zeigen, dass Vorteile und Risiken individuell abgewogen werden müssen – nach Rasse, Geschlecht, Alter und Lebenssituation des Tieres.
Was ist eigentlich Kastration?
Bei der Kastration werden die Keimdrüsen (Hoden oder Eierstöcke) entfernt. Die Sterilisation – im humanmedizinischen Sinne – meint nur die Unterbrechung der Samen- bzw. Eileiter; sie wird bei Tieren selten gemacht, weil die hormonellen Effekte (Läufigkeit, Rolligkeit, Aggression) erhalten bleiben.
Hund: die wichtigsten Pro- und Contra-Argumente
Vorteile:
- Verhütung ungewollten Nachwuchses
- Reduktion bestimmter Tumoren: bei Hündinnen weniger Mammatumoren (wenn vor 1. Läufigkeit), bei Rüden keine Hodentumoren mehr
- Verhinderung der Gebärmuttervereiterung (Pyometra) bei Hündinnen — eine lebensbedrohliche Erkrankung
- Reduzierter Hormondrang, ruhigere Tiere in einigen Fällen
Nachteile:
- Inkontinenz bei Hündinnen (besonders nach Frühkastration und bei großen Rassen): 5–20 % der Fälle
- Erhöhtes Risiko für bestimmte Tumoren (Hämangiosarkom, Knochenkrebs, Lymphom) – v. a. bei Frühkastration großer Rassen
- Gewichtszunahme bei nicht angepasster Fütterung
- Fellveränderungen (langhaarige Rassen)
- OP- und Narkoserisiken
- Hormonell bedingtes Verhalten ist nicht immer „Erziehung-bedingt" und ändert sich durch Kastration manchmal nicht
Katze: anders gelagerte Diskussion
Bei Katzen — insbesondere Freigängern — ist die Kastration deutlich weniger umstritten. Vorteile dominieren klar:
- Verhütung ungewollten Nachwuchses (Populationskontrolle)
- Keine Rolligkeit / Dauerrolligkeit
- Reduzierte Streifzüge → weniger Verkehrsunfälle, weniger Revierkämpfe
- Keine Markierungen mit Urin
- Reduziertes Infektionsrisiko (FIV, FeLV) durch weniger Bisse
- Keine Hodentumoren bei Katern
Risiken sind ähnlich wie beim Hund, aber Inkontinenz und Tumorrisiken spielen eine geringere Rolle.
Der richtige Zeitpunkt
| Tierart | Empfehlung |
|---|---|
| Hündin klein (<15 kg) | nach 1. Läufigkeit (8–10 Monate) – ideale Balance Tumor-/Gelenkrisiko |
| Hündin groß | nach 2. Läufigkeit, oft erst mit 18–24 Monaten — Gelenke ausentwickelt |
| Rüde klein | ab 8–10 Monaten, falls Indikation |
| Rüde groß | erst nach Wachstumsabschluss (12–18 Monate) |
| Katze (Kater + Kätzin) | ab 5–6 Monaten, vor erster Rolligkeit |
Kosten
Nach GOT 2022 (1- bis 3-facher Satz, regional unterschiedlich):
- Kater: 80–200 €
- Kätzin: 120–300 €
- Rüde (je nach Größe): 150–500 €
- Hündin (je nach Größe): 250–800 €
Hinzu kommen Voruntersuchung, Narkose, Schmerzmittel und Nachsorge. Im Notfall (Pyometra-OP) deutlich teurer (1.000–2.500 €).
Häufige Fragen
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