Pferd lahmt plötzlich — Ursachen und erste Schritte
Lahmheit beim Pferd ist immer ein Schmerz- oder Funktionssignal. Die Ursachen reichen vom banalen Steinchen im Huf bis zum Knochenbruch. Entscheidend ist die Schwere der Lahmheit, der Verlauf und die Begleitsymptome. Manche Lahmheiten klären sich von selbst, andere sind akute Notfälle.
Lahmheitsgrade verstehen
| Grad | Beschreibung | Handlungsbedarf |
|---|---|---|
| Grad 1 | Geringe Lahmheit, nur auf hartem Boden oder im Trab sichtbar | Beobachten, Stammtierarzt |
| Grad 2 | Deutlich im Trab sichtbar, auch auf weichem Boden | Tierarzt zeitnah |
| Grad 3 | Deutlich im Schritt sichtbar, Pferd entlastet das Bein | Tierarzt heute |
| Grad 4 | Hochgradig — Pferd belastet das Bein nur zögerlich | Notdienst |
| Grad 5 | Stützbeinlahmheit — Pferd belastet das Bein gar nicht mehr | Notfall — Tierarzt sofort |
Häufige Ursachen
Akut und meist gut behandelbar
- Hufabszess: häufigste Ursache hochgradiger Lahmheit, mit Tritt-Test und Hufuntersuchung erkennbar
- Steinchen / Fremdkörper im Huf
- Hufrehe (akut): meist beide Vorderhufe, „klammer" Gang, warm und pulsierende Hufe — Notfall
- Sehnenscheidenentzündung
- Muskelverspannung
- Hufrollen-Entzündung
Schwerwiegend — sofort Tierarzt
- Bänder-/Sehnenriss: hochgradig schmerzhaft, Schwellung
- Fraktur: deformiertes Bein, Knochen-Knirschen, totale Belastungsunwilligkeit
- Gelenkkapsel-Verletzung mit offener Wunde (Septische Arthritis-Gefahr)
- Hufrehe (chronisch dekompensiert)
- Equine Polysaccharide Storage Myopathy (PSSM) und andere Muskelerkrankungen
Erste Schritte am Stall
- Pferd ruhig in die Box stellen, dick einstreuen.
- Bein vorsichtig prüfen: Wärme, Schwellung, sichtbare Wunde, fühlbarer Puls am Huf (verstärkter Puls = Verdacht auf Hufrehe).
- Huf untersuchen: Stein im Strahl? Mit Hufkratzer prüfen.
- Tritt-Test: Mit Hufprüfzange oder Daumen rund um die Sohle drücken — schmerzhafte Stelle = Hufabszess wahrscheinlich.
- Beobachten im Schritt: Lahmheitsgrad einschätzen.
- Bei Grad 3+ oder offenen Wunden: Tierarzt rufen.
Hufrehe — eine besondere Gefahr
Akute Hufrehe ist ein veterinärmedizinischer Notfall. Klassische Zeichen:
- Klammer, „rehe-typischer" Gang: Vorderbeine vorgestreckt, Hinterbeine untergeschoben
- Häufiger Gewichtswechsel zwischen den Beinen
- Warme Hufe und verstärkter Hufpuls
- Liegen vermehrt
- Schmerzäußerungen (Schwitzen, beschleunigte Atmung)
Bei Verdacht: nicht laufen lassen, dick einstreuen, sofort Tierarzt. Schnelles Eingreifen entscheidet über das Langzeit-Ergebnis.
Was der Tierarzt tut
Diagnose mit Beugeproben, Hufprüfzange, Nervenblock (Identifikation der Schmerzregion), Röntgen, Ultraschall, ggf. Szintigraphie. Bei Hufabszessen wird die Stelle geöffnet — meist sofortige Erleichterung. Bei Sehnen- oder Knochenproblemen folgt Boxenruhe, Schmerzmittel, ggf. OP.
Häufige Fragen
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