Pferd5 Min. Lesezeit· 20. Mai 2026

Pferd lahmt plötzlich — Ursachen und erste Schritte

Fachlich geprüft vonTA Heinz Berke· Letzte Prüfung:

Lahmheit beim Pferd ist immer ein Schmerz- oder Funktionssignal. Die Ursachen reichen vom banalen Steinchen im Huf bis zum Knochenbruch. Entscheidend ist die Schwere der Lahmheit, der Verlauf und die Begleitsymptome. Manche Lahmheiten klären sich von selbst, andere sind akute Notfälle.

Lahmheitsgrade verstehen

GradBeschreibungHandlungsbedarf
Grad 1Geringe Lahmheit, nur auf hartem Boden oder im Trab sichtbarBeobachten, Stammtierarzt
Grad 2Deutlich im Trab sichtbar, auch auf weichem BodenTierarzt zeitnah
Grad 3Deutlich im Schritt sichtbar, Pferd entlastet das BeinTierarzt heute
Grad 4Hochgradig — Pferd belastet das Bein nur zögerlichNotdienst
Grad 5Stützbeinlahmheit — Pferd belastet das Bein gar nicht mehrNotfall — Tierarzt sofort

Häufige Ursachen

Akut und meist gut behandelbar

  • Hufabszess: häufigste Ursache hochgradiger Lahmheit, mit Tritt-Test und Hufuntersuchung erkennbar
  • Steinchen / Fremdkörper im Huf
  • Hufrehe (akut): meist beide Vorderhufe, „klammer" Gang, warm und pulsierende Hufe — Notfall
  • Sehnenscheidenentzündung
  • Muskelverspannung
  • Hufrollen-Entzündung

Schwerwiegend — sofort Tierarzt

  • Bänder-/Sehnenriss: hochgradig schmerzhaft, Schwellung
  • Fraktur: deformiertes Bein, Knochen-Knirschen, totale Belastungsunwilligkeit
  • Gelenkkapsel-Verletzung mit offener Wunde (Septische Arthritis-Gefahr)
  • Hufrehe (chronisch dekompensiert)
  • Equine Polysaccharide Storage Myopathy (PSSM) und andere Muskelerkrankungen

Erste Schritte am Stall

  1. Pferd ruhig in die Box stellen, dick einstreuen.
  2. Bein vorsichtig prüfen: Wärme, Schwellung, sichtbare Wunde, fühlbarer Puls am Huf (verstärkter Puls = Verdacht auf Hufrehe).
  3. Huf untersuchen: Stein im Strahl? Mit Hufkratzer prüfen.
  4. Tritt-Test: Mit Hufprüfzange oder Daumen rund um die Sohle drücken — schmerzhafte Stelle = Hufabszess wahrscheinlich.
  5. Beobachten im Schritt: Lahmheitsgrad einschätzen.
  6. Bei Grad 3+ oder offenen Wunden: Tierarzt rufen.

Hufrehe — eine besondere Gefahr

Akute Hufrehe ist ein veterinärmedizinischer Notfall. Klassische Zeichen:

  • Klammer, „rehe-typischer" Gang: Vorderbeine vorgestreckt, Hinterbeine untergeschoben
  • Häufiger Gewichtswechsel zwischen den Beinen
  • Warme Hufe und verstärkter Hufpuls
  • Liegen vermehrt
  • Schmerzäußerungen (Schwitzen, beschleunigte Atmung)

Bei Verdacht: nicht laufen lassen, dick einstreuen, sofort Tierarzt. Schnelles Eingreifen entscheidet über das Langzeit-Ergebnis.

Was der Tierarzt tut

Diagnose mit Beugeproben, Hufprüfzange, Nervenblock (Identifikation der Schmerzregion), Röntgen, Ultraschall, ggf. Szintigraphie. Bei Hufabszessen wird die Stelle geöffnet — meist sofortige Erleichterung. Bei Sehnen- oder Knochenproblemen folgt Boxenruhe, Schmerzmittel, ggf. OP.

Häufige Fragen

Bei geringer Lahmheit (Grad 1) ohne weitere Symptome 1–2 Tage Boxenruhe und beobachten. Bessert es sich nicht oder kommen Wärme, Schwellung oder schlechter Allgemeinzustand dazu: Tierarzt.

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