Pferd hat eine Wunde — wann selbst versorgen, wann Tierarzt?
Schnitt- und Risswunden gehören zu den häufigsten Notfällen in der Pferdehaltung — Zäune, Stallausstattung, Hufschlag eines Boxennachbarn. Anders als beim Hund ist beim Pferd fast immer eine Tetanusgefahr präsent, weil Clostridium-tetani-Sporen im Boden allgegenwärtig sind. Lage und Tiefe entscheiden, ob eine Wunde selbst versorgt werden kann oder einen Tierarzt-Notfall darstellt.
Erstbeurteilung im Stall
- Lage: über Gelenken oder Sehnen besonders kritisch (auch wenn oberflächlich)
- Tiefe: nur Haut oder bis ins Unterhautgewebe? Sind tiefer liegende Strukturen sichtbar?
- Wundränder: glatt und nah beieinander = nähbar; klaffend = Tierarzt-Indikation
- Verschmutzung: starker Schmutz, eingedrungene Fremdkörper
- Blutung: Druckverband nötig?
- Alter: frisch (innerhalb 6 h) oder älter? Ältere Wunden werden meist nicht mehr genäht
Was Sie selbst tun können
- Pferd sichern: Halfter, an Anbindering, ggf. zweite Person
- Blutung stillen: mit sauberer Kompresse direkt aufdrücken (5–10 Minuten), nicht ständig nachschauen
- Wunde reinigen bei kleinen Verletzungen: mit Wasser oder steriler Kochsalzlösung — Druckspülung mit Spritze (ohne Nadel) hilft, Schmutz auszuwaschen
- Desinfizieren: Octenisept oder Jod-Lösung — nicht in offene Wunden mit blutigen, weichen Geweben (Jod wirkt dort reizend)
- Steril abdecken: Kompresse + Mullbinde + Verbandstoff (bei Beinwunden im Bein-Bereich)
- Tetanus-Status prüfen: bei unklarem Status → Tierarzt anrufen für Booster
Was der Tierarzt tut
- Beurteilung: oft mit Sondierung (Tiefe), bei Gelenk-/Sehnennähe Röntgen und Sonographie
- Sedation bei größeren Wunden
- Lokalanästhesie und chirurgische Wundreinigung
- Wundnaht oder bei offener Heilung: Verband mit Hydrogel-Auflage
- Antibiotika bei stark verschmutzten oder tiefen Wunden
- Schmerzmittel
- Tetanus-Auffrischung oder bei ungeimpften Pferden Tetanus-Antitoxin
Tetanus beim Pferd — die wichtigsten Fakten
Pferde sind die mit Abstand tetanusempfindlichste Haustierart. Clostridium-tetani-Sporen sind im Erdboden allgegenwärtig. Eine unbehandelte Tetanus-Infektion verläuft praktisch immer tödlich. Die Grundimmunisierung erfolgt im Fohlenalter mit drei Impfungen, danach Auffrischung alle 2–3 Jahre. Bei JEDER frischen Wunde: Impfstatus prüfen, ggf. Booster.
Quellen
- Tierärztliche Hochschule Hannover — Klinik für Pferde – Universitäre Klinik für Pferde-Notfälle und Wundversorgung
- Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) – Halter-Information zur Erste-Hilfe und Wundversorgung beim Pferd
- StIKo Vet — Impfempfehlungen für Pferde – Aktuelle Tetanus-Impfempfehlungen
- American Association of Equine Practitioners (AAEP) – Internationale Wundversorgungs-Standards in der Pferdemedizin
Häufige Fragen
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