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Pferd5 Min. Lesezeit· 20. Mai 2026

Pferd hat eine Wunde — wann selbst versorgen, wann Tierarzt?

Fachlich geprüft vonTA Heinz Berke· Letzte Prüfung:

Schnitt- und Risswunden gehören zu den häufigsten Notfällen in der Pferdehaltung — Zäune, Stallausstattung, Hufschlag eines Boxennachbarn. Anders als beim Hund ist beim Pferd fast immer eine Tetanusgefahr präsent, weil Clostridium-tetani-Sporen im Boden allgegenwärtig sind. Lage und Tiefe entscheiden, ob eine Wunde selbst versorgt werden kann oder einen Tierarzt-Notfall darstellt.

Erstbeurteilung im Stall

  • Lage: über Gelenken oder Sehnen besonders kritisch (auch wenn oberflächlich)
  • Tiefe: nur Haut oder bis ins Unterhautgewebe? Sind tiefer liegende Strukturen sichtbar?
  • Wundränder: glatt und nah beieinander = nähbar; klaffend = Tierarzt-Indikation
  • Verschmutzung: starker Schmutz, eingedrungene Fremdkörper
  • Blutung: Druckverband nötig?
  • Alter: frisch (innerhalb 6 h) oder älter? Ältere Wunden werden meist nicht mehr genäht

Was Sie selbst tun können

  1. Pferd sichern: Halfter, an Anbindering, ggf. zweite Person
  2. Blutung stillen: mit sauberer Kompresse direkt aufdrücken (5–10 Minuten), nicht ständig nachschauen
  3. Wunde reinigen bei kleinen Verletzungen: mit Wasser oder steriler Kochsalzlösung — Druckspülung mit Spritze (ohne Nadel) hilft, Schmutz auszuwaschen
  4. Desinfizieren: Octenisept oder Jod-Lösung — nicht in offene Wunden mit blutigen, weichen Geweben (Jod wirkt dort reizend)
  5. Steril abdecken: Kompresse + Mullbinde + Verbandstoff (bei Beinwunden im Bein-Bereich)
  6. Tetanus-Status prüfen: bei unklarem Status → Tierarzt anrufen für Booster

Was der Tierarzt tut

  • Beurteilung: oft mit Sondierung (Tiefe), bei Gelenk-/Sehnennähe Röntgen und Sonographie
  • Sedation bei größeren Wunden
  • Lokalanästhesie und chirurgische Wundreinigung
  • Wundnaht oder bei offener Heilung: Verband mit Hydrogel-Auflage
  • Antibiotika bei stark verschmutzten oder tiefen Wunden
  • Schmerzmittel
  • Tetanus-Auffrischung oder bei ungeimpften Pferden Tetanus-Antitoxin

Tetanus beim Pferd — die wichtigsten Fakten

Pferde sind die mit Abstand tetanusempfindlichste Haustierart. Clostridium-tetani-Sporen sind im Erdboden allgegenwärtig. Eine unbehandelte Tetanus-Infektion verläuft praktisch immer tödlich. Die Grundimmunisierung erfolgt im Fohlenalter mit drei Impfungen, danach Auffrischung alle 2–3 Jahre. Bei JEDER frischen Wunde: Impfstatus prüfen, ggf. Booster.

Quellen

Häufige Fragen

Bei Wunde unter 2 cm, oberflächlich (nur Haut), sauber, Tetanusschutz aktuell: ja, selbst versorgen und 2–3 Tage beobachten. Bei Anzeichen von Eiter, Schwellung oder Lahmheit: Tierarzt.

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